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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Georg Heym

[Im Haar ein Nest von jungen Wasserratten]

Im Haar ein Nest von jungen Wasserratten,
Und die beringten Hände auf der Flut
Wie Flossen, also treibt sie durch den Schatten
Des großen Urwalds, der im Wasser ruht.
5 Die letzte Sonne, die im Dunkel irrt,
Versenkt sich tief in ihres Hirnes Schrein.
Warum sie starb? Warum sie so allein
Im Wasser treibt, das Farn und Kraut verwirrt?
Im dichten Röhricht steht der Wind. Er scheucht
10 Wie eine Hand die Fledermäuse auf.
Mit dunklem Fittich, von dem Wasser feucht
Stehn sie wie Rauch im dunklen Wasserlauf,
Wie Nachtgewölk. Ein langer, weißer Aal
Schlüpft über ihre Brust. Ein Glühwurm scheint
15 Auf ihrer Stirn. Und eine Weide weint
Das Laub auf sie und ihre stumme Qual.





Entstehungsjahr: 1910
Erscheinungsjahr: 1964
Aus: Gedichte aus den Jahren 1910 bis 1912 / Ophelia I
Referenzausgabe:
Karl Ludwig Schneider / Gunter Martens: Georg Heym. Dichtungen und Schriften. Gesamtausgabe, Bd. 1. Verlag Heinrich Ellermann,: 1911, S. 160.
Bemerkungen
Erstdruck in »Der ewige Tag«, Leipzig 1911

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.